Komet NEOWISE war für mich so ein seltener Moment, in dem der Himmel plötzlich zum Schatzkarten-Spiel wird: Man weiß, da oben ist etwas, aber erstmal muss man es auch finden. Also: Standort, Blickrichtung, Uhrzeit, Apps, Sternkarten – und dann dieses konzentrierte Starren in die Dämmerung, bis man sich fragt, ob man gerade wirklich den Kometen sucht oder einfach nur sehr engagiert Wolken anschaut.
Und dann passiert’s: Da ist er. Erst ganz zart, fast wie ein Gerücht am Horizont – und mit jeder Minute ein bisschen deutlicher. Auf einmal ist klar: Das ist kein Flugzeug, kein Satellit und auch nicht „irgendein heller Stern“, den man sich schönredet. NEOWISE steht da einfach, mit Schweif und allem, als hätte er kurz Zeit für einen Auftritt eingeplant.
Das Beste kam aber, als ich ihn schließlich am Hasenbacher Teich erwischt habe: Nicht nur am Himmel, sondern gleich noch als Spiegelung im Wasser. Komet oben, Komet unten – doppelt hält besser. Und ich stand dazwischen, sehr glücklich und ein bisschen ungläubig, dass aus „Mal sehen, ob man den überhaupt findet“ am Ende ein Bild wurde, das aussieht, als hätte der Himmel kurz ein Poster drucken lassen.
Clausthal-Zellerfeld • 14. - 20.07.2020 • Komet Neowise
