Falter


„Wenn man ehrlich ist, sind Schmetterlinge die Diven unter meinen Motiven: Sie kommen nie pünktlich, sitzen selten still und fliegen genau in dem Moment weg, in dem der Fokus sitzt. Aber wenn sie doch mal bleiben, entschädigt das für alles. Im Makro zerfällt das, was aus der Ferne wie gemalte Flügelfläche aussieht, in Hunderttausende winzige Schuppen – daher auch der Fachname Schuppenflügler. Jede einzelne ein kleines Farbpixel, das Licht bricht, streut, manchmal sogar schillert, je nachdem, wie man sich mit der Kamera hineinschleicht.
Übrigens: „Falter“ hat nichts mit „falten“ zu tun, sondern mit „flattern“ – ein kleiner Fun Fact, den ich mir beim Warten gerne selbst erzähle, wenn wieder nichts landet. Und während man wartet, fällt auf, wie viel Technik in so einem zerbrechlichen Wesen steckt: Facettenaugen aus zehntausenden Einzelaugen, ein Rüssel, der wie ein Trinkhalm eingerollt unter dem Kopf liegt und sich nur zum Naschen entrollt. Manche Arten haben davon übrigens gar nichts mehr – ihr Rüssel ist zurückgebildet, sie fressen nie wieder etwas und leben nur noch von dem, was sie sich als Raupe angefuttert haben. Das eigentliche Leben findet also oft schon vorher statt; der Falter ist bei manchen Arten nur noch der schöne, kurze Abspann.
Fotografisch macht genau das den Reiz aus: dieses Spiel zwischen flüchtigem Auftritt und detailverliebtem Aufbau, zwischen Schönheit auf Zeit und einer Konstruktion, die für die Ewigkeit hätte gebaut sein können. Diese Serie versammelt die Begegnungen, bei denen sich die Diva für einen Moment doch hat blicken lassen.“


Clausthal und andere • Focus Stacking • ab 2020 • Falter und Details